Es riecht nach Zensur

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21.10.2026|

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Das riecht nach Zensur

Zensur ist eine ernste Angelegenheit, aber Satire kann sie sichtbar machen.

„Es riecht nach Zensur“ (Riekt naar censuur) ist der Titel des Buches der türkischen Zeichnerin Zehra Ömeroğlu, in dem sie in Comic-Strips einen der absurdesten Fälle von Zensurversuchen, Verfolgung und gerichtlicher Schikane durch einen Staat wegen eines völlig harmlosen Witzes schildert.

Eine Karikatur, die am 25. November 2020 während der COVID-19-Pandemie in der Satirezeitschrift „Leman“ mit einem Witz, der sich ironisch über den Geruchsverlust von Menschen mit dieser Krankheit äußerte, ohne weitere Absicht als die humoristische und ohne jegliche politische Konnotation, löste eine surrealistische Reaktion seitens der türkischen Behörden aus.

Die Staatsanwaltschaft war der Ansicht, dass die Zeichnung eine Gefahr für die öffentliche Moral darstelle. Ömeroğlu wurde schließlich gemäß Artikel 226 des türkischen Strafgesetzbuchs wegen Obszönität angeklagt. Ihr drohte wegen dieses Witzes eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren.

Karikatur von Zehra Omeroglu, wegen der sie in der Türkei vor Gericht stand

Übersetzung: Sex in der Pandemie. „Wenigstens habe ich meinen Geschmacks- und Geruchssinn nicht verloren …“

Nach fünf langen Jahren eines lächerlichen Gerichtsverfahrens, das durch immer neue Vertagungen in die Länge gezogen wurde, sprach das Gericht erster Instanz in Istanbul am Donnerstag, dem 26. Juni 2025, Zehra schließlich frei.

Mit bissigem Humor beschreibt die Autorin das türkische Justizsystem als eine gut geölte Maschinerie, die darauf abzielt, Künstler durch endlose Verfahren, absurde Gutachten, Anhörungen und psychologischen Druck zu zermürben, wodurch Unsicherheit, Einschüchterung und Angst hervorgerufen werden.

Das Werk, das während ihres „Safe Haven“-Stipendiums am Niederländischen Institut für fortgeschrittene Studien in den Geistes- und Sozialwissenschaften in Amsterdam (NIAS) entstand, ist ein autobiografischer Comicroman, der das Paradoxon der Zensur aufzeigt: Indem es versucht, eine Künstlerin zum Schweigen zu bringen, verstärkt ein autoritäres Regime ihre Stimme. Ömeroğlus einschneidende Erfahrung hat ihr internationale Anerkennung als Symbol für Meinungs- und Kunstfreiheit eingebracht.

Im Jahr 2025 erhielt Zehra Ömeroğlu den renommierten Robert-Russell-Preis für Mut in der Karikatur, der von Cartoonists Rights verliehen wird und Karikaturisten ehrt, die angesichts erheblicher persönlicher Risiken und Bedrohungen ihrer Freiheit Mut beweisen.

Die deutsche Ausgabe von „Riecht nach Zensur“ wurde kürzlich auf der Frankfurter Buchmesse vorgestellt. Die niederländische Ausgabe erscheint in Kürze, und eine englische Ausgabe ist bereits in Arbeit.

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